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Das Bildhäusel

Wer das Geinsheimer Bildhäusel entdecken will, muss schon genau hinsehen. Denn es liegt etwas versteckt an der linken Straßenseite auf dem Weg von der Geinsheimer Kirche in Richtung Neustadt. Aber das Suchen lohnt sich. Schließlich handelt es sich bei dieser kleinen Kapelle um ein Kleinod religiöser Volkskunst, wie es sich in unserer Region sonst nirgends findet.

In früheren Jahrhunderten versammelten sich die Bewohner der umliegenden Häuser und Gehöfte jeden Abend vor dem Bildhäusel, um miteinander ihre Abendandacht zu beten. Alte Geinsheimer Bürger berichten davon noch aus ihren Kindertagen. Besonders in der Fasten- und Adventszeit, aber auch im Maimonat wurde die Kapelle auch von vielen anderen Gemeindemitgliedern besucht. Bis heute ist sie immer wieder Anlaufstelle für einzelne Beter, aber auch für Prozessionen der Gemeinde.

Wurde bisher vermutet, dass die Geschichte des Bildhäusels um 1720 begann, so datierte das Landesdenkmalamt bei Befunduntersuchungen im Rahmen einer Renovierung durch die Mitglieder der Geinsheimer KAB im Jahr 2005 die Entstehung des heutigen Gebäudes bereits um den Anfang des 16. Jahrhunderts. Es wurde um einen Bildstock herum gebaut, der wohl aus dem 14. Jahrhundert oder aus noch früheren Zeiten stammt.

Bei der jüngsten Renovierung erhielt das kleine Kapellchen sein wohl ursprüngliches Aussehen zurück. Dies lässt zumindest die Untersuchung der acht gefundenen Farbschichten vermuten. So wurden die Fachwerkbalken, die eine kleine Vorhalle tragen, ochsenblutfarben gestrichen. Die Decke der Vorhalle leuchtet nun wieder in einem etwas verwaschenen Blau und ist mit silbernen Sternen verziert. Und die Fachwerkfüllungen sind in einem gelblich-weißen Ton gehalten. Eine blaue Linie an Rand zeichnet deren Verlauf nach. Auch die mit einem Spitzbogen abgeschlossene Nische auf der Vorderseite des Bildhäusels leuchtet nun wieder in einen tiefen Blau. Hinter schmiedeeisernen Gittern befindet sich eine Figur des Geiselheilands. Zwei vergitterte Klappläden schließen die Nische ab. Das Gitter am rechten Laden weist eine Öffnung auf, so dass Spender mühelos ihren Obolus in den Opferstock vor der Nische werfen könnten. Sowohl der Spitzbogen, als auch der Sockel auf dem das ganze Gebäude ruht, erhielten bei der Renovierung ihren roten Sandsteinton wieder zurück.

Auch die Figur des Heilands an der Geißelsäule (kurz: Geißelheiland), die heute im Bildhäusel steht, sorgte für Überraschungen. Wusste doch niemand so recht, wie wertvoll diese Darstellung ist. Vermutlich ist sie in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach Geinsheim gekommen. Norbert Kästel berichtet in seinen Buch zur Geschichte der Kirche und Pfarrei Geinsheim von folgender Legende:

Einmal kam die Gänsemagd mit ihrer Gänseschar auf die Birkigwiesen am Hörstengraben. Jenseits des Baches standen alte Weiden und Holunderbüsche, weshalb diese Gewanne den Namen ‚In der Hollerheck’ trug. Da hörte das Mädchen auf einmal ganz deutlich den Ruf: “Nach Geinsheim! Nach Geinsheim!” Weil es aber niemanden sah, wagte es nicht, der Stimme nachzugehen.
Die Magd erzählte Pfarrer Wenzer, was sie erlebt hatte. Am folgenden Tag ging dieser mit auf die besagte Wiese. Das Mädchen hörte wieder ganz deutlich das flehentliche Rufen. “Nach Geinsheim! Nach Geinsheim!” Es teilte dies dem Pfarrer, der die Stimme nicht vernahm, mit. Der ermunterte das Mädchen, furchtlos dem Ruf nachzugehen. Daraufhin näherte es sich dem Hollerbusch und erblickte darunter eine Statue des Heilandes an der Geißelsäule. Da die Figur doch in Geinsheim sei – so meinte der Herr Pfarrer – solle man sie nach dem anderen Geinsheim in Hessen bringen. Das geschah dann auch. Aber kurze Zeit später fand das Mädchen wieder die Statue auf dem alten Platz unter der Hollerhecke.

Pfarrer Wenzer ließ nun die Figur in das Chor der Kirche bringen und am Altar aufstellen. Aber am folgenden Morgen war sie verschwunden. Man fand sie auf einem Steinhaufen, der neben dem Bildhäusel aufgeschüttet war. Pfarrer Wenzer stellt nun die Figur in dem Kapellchen auf, wo sie sich bis zum heutigen Tag befindet.

Dass die Figur des Heilandes an der Geißelsäule nicht die erste Figur im Bildhäusel ist, belegen Unterlagen, die noch um die Mitte des 18. Jahrhunderts von einer Mariendarstellung berichten. Nichts desto trotz ist diese Darstellung des leidenden Herrn sehr alt. Neueste Untersuchungen ergaben, dass es sich hierbei um eine Lindenholzplastik aus der Übergangszeit von der Gotik zur Renaissance handelt, zwischen 1500 und 1550 geschaffen. Immer wieder wird sie mit ähnlichen Darstellungen des berühmten Geißelheilands von der Wieskirche verglichen und von den Geinsheimer Bürgern auch ‚Heiland von der Wies’ genannt. Im Bildhäusel selbst befindet sich mittlerweile eine Kopie der wertvollen Statue. Für das Orginal sucht die Gemeinde derzeit einen würdigen Standort in der Pfarrkirche.